In einer Ära, in der sich Technologie und Kreativität stärker denn je überschneiden, markiert „Copy“, das erste KI-gestützte Modemagazin, einen mutigen Meilenstein in der Entwicklung der Fashion-Medien. Vom Schöpfer Carl-Axel Wahlström als „das weltweit erste KI-gesteuerte Modemagazin“ beschrieben, stellt Copy traditionelle Vorstellungen von Mode-Storytelling, Bildsprache und sogar die Rolle von Models in redaktionellen Erzählungen infrage. Besonders faszinierend an diesem Projekt ist nicht nur der Einsatz hochmoderner künstlicher Intelligenz, sondern auch die Art und Weise, wie es Leser und Branchenprofis – von freiberuflichen Models bis hin zu globalen Modelagenturen – dazu anregt, die Entstehung und Wahrnehmung von Modebildern neu zu überdenken.
Wahlströms Einstieg in dieses bahnbrechende Modeling-Experiment begann nicht mit dem Ziel, ein Magazin zu gestalten, sondern vielmehr mit der Neugier, künstliche Intelligenz als kreatives Werkzeug zu erforschen. Mithilfe fortschrittlicher Systeme wie Midjourney und ChatGPT erzeugte er visuelle Inhalte und Texte, die den Look und das Gefühl klassischer Modestrecken imitieren – komplett mit menschenähnlichen Figuren, stilvollem Styling und der Illusion realer redaktioneller Protagonisten. Obwohl ihm bewusst war, dass die „Models“ in Copy computergeneriert sind, war Wahlström überrascht, wie realistisch und überzeugend sie wirkten – so sehr, dass sie problemlos für professionelle Models gehalten werden könnten, die von einer renommierten Modelagentur vertreten werden.
Die Arbeit mit KI brachte überraschende Erkenntnisse über den aktuellen Zustand der Modebildsprache ans Licht. KI-Algorithmen, die mit riesigen Datensätzen aus der Modefotografie trainiert wurden, erzeugen häufig stilisierte, idealisierte Darstellungen, die jahrzehntelange visuelle Konventionen widerspiegeln – schlanke Silhouetten, glamouröse Ästhetik und vertraute Archetypen – und damit einige der Stereotype verstärken, mit denen die Modewelt seit Jahren ringt. Gleichzeitig ist Wahlström überzeugt, dass Copy auch eine kritische Reflexion dieser Normen bietet und Fragen danach aufwirft, was Mode feiert – und warum. So eröffnet das Projekt neue Möglichkeiten für das Modeling, sowohl im Print- als auch im Digitalbereich, in dem die Grenzen zwischen menschlichen und maschinell erzeugten Bildern zunehmend verschwimmen.
Für traditionelle Modelagenturen und Talentscouts bringt diese KI-Entwicklung spannende Perspektiven mit sich. Mit der fortschreitenden Entwicklung von KI könnte sich die Rolle realer Models hin zu hybriden Kooperationen verschieben, bei denen menschliche Kreativität die maschinelle Produktion lenkt. Agenturen könnten neue Wege finden, KI-gestützte Portfolios oder konzeptionelle Kampagnen zu integrieren. Das Experiment Copy legt nahe, dass KI die Produktion von Modeinhalten demokratisieren könnte, indem sie es auch Menschen außerhalb elitärer Modekreise ermöglicht, überzeugende Bildwelten zu schaffen – ohne die Infrastruktur, die früher für internationale Modeeditorials notwendig war.
Letztlich steht Copy sowohl als kreatives Projekt als auch als kulturelle Kritik da und nutzt künstliche Intelligenz, um die Stärken, Schwächen und dauerhaften Obsessionen der Modeindustrie widerzuspiegeln. Durch die Verbindung von KI und menschlicher Perspektive lädt Wahlström Leser, Designer, Models und Modelagenturen gleichermaßen dazu ein, sich eine Zukunft vorzustellen, in der Innovation neu definiert, wie Mode aussieht – und wer darin sichtbar wird.