Mode im Wandel: Von Vogue Frankreich zu virtuellen Laufstegen

Seit Langem ist klar, dass Condé Nast, der globale Verlag hinter Vogue, seine internationalen Titel umfassend neu strukturiert. Neben hochkarätigen Führungswechseln, darunter die Beförderungen von Anna Wintour und Edward Enninful, markierte das Unternehmen auch das Ende einer Ära, indem es sich von der langjährigen Vogue Paris-Chefredakteurin Emmanuelle Alt trennte. Diese Veränderungen stehen für einen umfassenderen Wandel – nicht nur innerhalb der Modemedien, sondern im gesamten kreativen Ökosystem, das Designer, Models und die globale Modelbranche verbindet.

Nach monatelangen Spekulationen wurde nun offiziell bestätigt, dass Vogue Paris in Vogue France umbenannt wird – direkt im Anschluss an die historische 100-jährige Jubiläumsausgabe des Magazins. Die erste Ausgabe unter dem neuen Titel erscheint im November und zeigt Aya Nakamura auf dem Cover. Die französisch-malaysische Künstlerin, deren Hit Djadja international bekannt wurde, wird vom Magazin als „Ikone der neuen französischen Generation“ bezeichnet. Ihre Auswahl zeigt, wie Modepublikationen zunehmend kulturelle Persönlichkeiten in den Fokus rücken, die bei jüngeren Zielgruppen Anklang finden – ähnlich wie eine Modelagentur heute über klassische Laufstegqualitäten hinausblickt, um Talente mit globalem Einfluss zu entdecken.

Auch der Laufsteg selbst entwickelt sich weiter. Guccis Love Parade-Show in Hollywood verwischte die Grenzen zwischen Kino, Prominenz und High Fashion. Schauspieler Jared Leto, frisch aus dem Hype um House of Gucci, lief neben anderen bekannten Gesichtern und unterstrich damit, wie Marken heute bewusst über traditionelle Models hinaus casten, um kulturelle Wirkung zu erzielen. Der Auftritt von Macaulay Culkin zeigte zusätzlich, wie moderne Modenschauen unerwartete Erzählungen aufgreifen und damit die Definition von Modeln erweitern.

Auch Technologie prägt die Zukunft der Mode. Nikes Schritt, ikonische Symbole wie den Swoosh, Jumpman und „Just Do It“ für virtuelle Welten markenrechtlich zu schützen, zeigt, wie sich Marken auf das Metaverse vorbereiten. Von virtuellen Sneakern bis hin zu NFTs, die von bekannten Models wie Emily Ratajkowski und Cara Delevingne verkauft werden, schafft digitale Mode neue Chancen – nicht nur für Designer, sondern auch für Modelagenturen, die sich auf vollständig digitale Kampagnen einstellen.

Kreativität bleibt dabei das Herzstück dieser Veränderungen. Balenciagas jüngste Crocs-Kollaboration, entwickelt von der schwedischen Künstlerin Anna Uddeberg, verbindet Kunst, Nachhaltigkeit und Mode. Durch den Einsatz recycelter Materialien entstehen skulpturale Formen, die gängige Schönheitsideale hinterfragen – ein Ansatz, den auch Modelagenturen zunehmend verfolgen, indem sie vielfältige Models suchen, die konzeptionelles Storytelling verkörpern.

Zum Jahresende setzt Louis Vuitton mit seiner Pop-up-Bibliothek im Pariser Brach-Hotel ein leiseres, aber ebenso starkes Zeichen. Mit der Neuinterpretation der Reihen City Guide, Travel Book und Fashion Eye feiert das Haus Storytelling und globale Entdeckungen – Werte, die Designer, Models und Kreative weiterhin inspirieren. Zusammen zeigen diese Entwicklungen eine Branche im Wandel, in der Modemedien, Modeln und Innovation eng miteinander verknüpft sind.
January 18, 2022